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Liebe Gemeindeglieder und Freunde unserer Kirchengemeinde,

Das Lied „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ ist wohl das bekannteste Weihnachtslied. Nicht ohne Grund steht es unter der Nr.1 in unseren Gesangbüchern. Es handelt davon, Gott für sein Kommen in die Welt zu danken und ihm den Weg zu bereiten.
Dichter des Liedes war ein bei Königsberg im Jahre 1590 geborenen Pfarrer: Georg Weissel. Er verfasste es als 33-jähriger zur Einweihung einer Kirche.

Dem Liedtext liegen Verse aus dem 24. Psalm zu Grunde. „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe…“ Die Höhe und Weite des Eingangstores bringen die besondere Bedeutung zum Ausdruck, die die Gemeinde dem sehnlichst Erwarteten beimisst.
„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit…“ In der ersten Strophe fallen die vielfältigen Umschreibungen für Gott auf: - der Herr der Herrlichkeit – ein König aller Königreich – ein Heiland aller Welt zugleich – der Heil und Leben mit sich bringt.
Georg Weissel greift das biblische Bild vom König auf. Denn ein König, der seine eigentliche Aufgabe wahrnimmt, sorgt für sein Volk, er regiert weise und achtsam, seine Autorität besteht darin, dass er gerade nicht sein eigenes Ansehen, sondern das der ihm anvertrauten Menschen vermehrt – nur dadurch hat er besonderes „Gewicht“ („Gewicht“ – das ist die Biblische Bedeutung von „Herrlichkeit“).
So ist er ein „Heiland aller Welt“, d. h. ein Retter, der die Menschen vor Schaden bewahren will. So bringt er ihnen, wonach sich alle sehnen: „Heil und Leben“, das bedeutet keine heile Welt, aber die Möglichkeit zu Friede, Ganzwerden, Leben ohne Enge, in dem ich atmen und frei sein kann.
„Heiland“ bzw. „Retter“ und „König“ werden später Ehrennamen für Jesus von Nazareth, „König“ in der lateinischen Übersetzung „Christus“. Die beiden Worte Jesus Christus werden zum kürzesten Bekenntnis:
Jesus ist der Christus, der im Namen Gottes handelnde und heilend wirkende König.

In der 2. Strophe entfaltet der Liederdichter das Bild vom König, mit dem er das Wesen und Handeln Gottes veranschaulicht. Gott ist ein
Gott für die Menschen. Gerechtigkeit, für andere da sein, sanftmütiger, geduldiger Umgang mit ihnen und ihnen in und aus der Not helfen – all dies zeichnet Gott aus, der ein heilender, rettender und tatkräftig handelnder Gott ist. Seine Machtinsignien – Krone, Zepter und „Gefährt“, d. h. sein Streitwagen – sind nicht bedrohlich für die Menschen, sondern stehen im Dienst ihres Schutzes. Wieder klingt mit dem Wort „Heiland“ wie schon in der 1. Strophe der Name Jesus an. Der hebräische Name für Jesus bedeutet: Gott hilft, rettet, heilt. Diesem Gott soll dein und mein Singen gelten.

„O wohl dem Land, o wohl der Stadt, so diesen König bei sich hat…“ Klingt es hier in der 3. Strophe nicht wie eine Gratulation? Ja, einem Land, einer Stadt, die einen solchen Regenten bei sich hat – ihnen kann man nur gratulieren. Da geht es den Menschen gut, da lernen die Menschen mit dem Herzen sehen, die Sonne geht auf.

Die 4. Strophe nimmt noch einmal den Anfang der ersten auf: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“, jetzt aber ist es ein Aufruf im übertragenen Sinn: es geht um das weite Öffnen unserer Herzenstür, um das innere Sich-Einstellen auf Gott, der auch in meinem Herzen, in und bei mir, Einzug halten, zu mir kommen will. Ich selbst soll ein Tempel sein, ein Haus für Gott und seinen Anspruch an mich. Dieses innere Haus zu schmücken, fordert uns Georg Weissel auf. Mit den „Zweiglein der Gottseligkeit“ sollen wir es ausschmücken, sie sind ein Bild für den Glauben und das Vertrauen auf  Gott.

Sind die ersten vier Strophen Rede von Gott, so ist die letzte Strophe eine Rede zu Gott, also ein Gebet. Ausdrücklich wird darin Jesus, der Christus/der König als der persönliche Heiland, also Retter, angeredet und gebeten, durch die offene Herzenstür zu kommen. In Jesu Leben und Handeln spiegelt sich das Leben und Handeln Gottes. Georg Weissel lässt uns singend mitbeten, denn: Gottes in Jesus von Nazareth wirkende Gnade sollen auch andere Menschen erfahren, die Gemeinden alle Völker. Mit dem Liederdichter bitten wir um Gottes Heiligen Geist, dass er uns führe und leite aus dem Weg zu einem Leben, das in Gott geborgen ist. Es leuchtet jetzt schon gegen alles Dunkle in der Welt. Gottes Advent, sein Kommen ist ausgerufen über unserem Leben.

Ihr Pfarrer



Andreas Fincke